Was das neue Verfahren leistet
Die Bundesnetzagentur hat die Regeln am 15. April 2026 veröffentlicht; fünf Tage später traten sie in Kraft. Das Verfahren soll erhebliche, anhaltende oder regelmäßig wiederkehrende Abweichungen bei der mobilen Internetgeschwindigkeit nachvollziehbar erfassen. Der Nachweis kann die Grundlage dafür bilden, gegenüber dem Vertragspartner eine Minderung oder eine außerordentliche Kündigung geltend zu machen.
Damit beantwortet die Messung eine andere Frage als ein spontaner Geschwindigkeitstest: Es geht um die Leistung deines vereinbarten Internetzugangs unter festgelegten Bedingungen. Das Ergebnis ersetzt weder eine Untersuchung jedes einzelnen Funklochs noch eine allgemeine Bewertung aller Tarife eines Netzes. Diese Unterscheidung hilft dir, das richtige Werkzeug für dein Problem auszuwählen.
Wenn beispielsweise eine bestimmte App langsam startet, ist zunächst offen, ob die Verbindung, der Dienst oder das Gerät die Ursache ist. Bleiben Downloads und andere Anwendungen wiederholt hinter deinen Erwartungen zurück, lohnt sich ein geordnetes Vorgehen mit Vertragsunterlagen und dem offiziellen Nachweisverfahren.
Zuerst die vereinbarte Leistung herausfinden
Lege vor dem Start die Vertragszusammenfassung und das Produktinformationsblatt bereit. Gesucht sind insbesondere die vereinbarten geschätzten maximalen Geschwindigkeiten für Download und Upload. Übernimm den Wert deines konkreten Tarifs. Eine allgemeine Werbung mit einer höheren Netzgeschwindigkeit ist keine geeignete Ersatzangabe.
Trenne außerdem Datenvolumen und Geschwindigkeit. Das Datenvolumen beschreibt die nutzbare Datenmenge, beispielsweise in Gigabyte. Die Geschwindigkeit beschreibt, wie schnell Daten übertragen werden, beispielsweise in Mbit/s. Ein Tarif mit viel Datenvolumen kann eine niedrigere Geschwindigkeitsgrenze haben als ein kleineres Paket. Ein größerer Datenvorrat allein erklärt deshalb noch keine schnellere Übertragung.
Prüfe auch, welche SIM-Karte du tatsächlich verwendest und ob das vereinbarte Datenvolumen noch verfügbar ist. Notiere Tarifname, Rufnummer oder Kundennummer getrennt von den Messwerten. So kannst du später nachvollziehen, auf welchen Vertrag sich die Kampagne bezieht. Bewahre die zugehörige Vertragsfassung auf, damit eine spätere Tarifumstellung deine Unterlagen nicht unübersichtlich macht.
Die richtige App und eine saubere Messumgebung
Nutze die App für das Nachweisverfahren Mobilfunk. Die Website der Breitbandmessung führt zum dafür vorgesehenen Angebot. Ein gewöhnlicher Speedtest und der Netzcheck erfüllen andere Aufgaben. Die Nachweis-App begleitet die Messkampagne und ordnet den Messort automatisch der maßgeblichen Haushaltsdichte zu.
Vor jedem Test zeigt die App technische Anforderungen an. Dazu gehören unter anderem eine 4G- oder 5G-Verbindung, Messungen im Freien, ein ausreichend genauer Standort und eine ruhende Position. Parallele Downloads, aktive Hotspots oder VPN-Verbindungen können die Messung beeinflussen. Die offiziellen Fragen und Antworten erläutern die vollständigen Voraussetzungen. Einige werden von der App automatisch geprüft.
Plane die Durchführung an einem geeigneten Ort, an dem du sicher stehen bleiben kannst. Ein Test während einer Fahrt oder nebenbei beim Erledigen anderer Aufgaben ist für eine kontrollierte Messung ungeeignet. Führe die Hinweise der App Schritt für Schritt aus und ändere Einstellungen nach der Messung wieder entsprechend deiner normalen Nutzung. So bleibt die Messumgebung nachvollziehbar und dein Telefon anschließend wie gewohnt verwendbar.
So organisierst du die Messkampagne
Grundsätzlich sind bis zu 30 Messungen vorgesehen: jeweils höchstens sechs an fünf unterschiedlichen Kalendertagen. Die Messtage müssen innerhalb von 14 Kalendertagen liegen. Zwischen der dritten und vierten Messung eines Tages sind mindestens drei Stunden Abstand erforderlich, zwischen den übrigen Messungen mindestens fünf Minuten. Unter bestimmten Voraussetzungen beendet die App einen Messtag oder die gesamte Kampagne vorzeitig.
Die offizielle Beschreibung der Nachweis-App erklärt diesen Ablauf ausführlich. Richte deine Planung nach der Anzeige der App aus. Starte nicht einfach immer neue Einzeltests, wenn eine vorgeschriebene Pause noch läuft. Ein nicht gültiger Versuch ist kein Ersatz für eine fehlende gültige Messung.
Praktisch hilft ein kleiner Zeitplan: Reserviere an möglichen Messtagen zunächst einen ersten Block und später einen zweiten. Trage nur tatsächlich absolvierte Messungen als erledigt ein. Wenn du an einem Tag verhindert bist, prüfe den noch verfügbaren Kampagnenzeitraum, statt die Ergebnisse nachträglich zu einer eigenen Messreihe zusammenzurechnen. Die Aussage entsteht aus dem geregelten Verfahren, nicht aus einer selbst ausgewählten Sammlung besonders langsamer Werte.
Warum je nach Messort andere Schwellen gelten
Bei hoher Haushaltsdichte liegt die maßgebliche Schwelle bei 25 Prozent der vereinbarten geschätzten Maximalgeschwindigkeit, bei mittlerer Dichte bei 15 Prozent und bei niedriger Dichte bei 10 Prozent. Die Einordnung erfolgt in Rasterzellen von 300 mal 300 Metern. Maßgeblich ist deshalb die Zuordnung des konkreten Messorts, nicht allein die Bezeichnung deiner Stadt oder Gemeinde.
Ein Rechenbeispiel mit einem angenommenen Downloadwert von 100 Mbit/s verdeutlicht die Größenordnung: Daraus werden je nach Kategorie Schwellen von 25, 15 oder 10 Mbit/s. Bei einem angenommenen Uploadwert von 20 Mbit/s ergeben sich entsprechend 5, 3 oder 2 Mbit/s. Das sind Rechenbeispiele für die Schwellen; sie behaupten keine Mindestleistung eines bestimmten Angebots.
Ein einzelner Wert unter einer solchen Schwelle entscheidet noch nicht über das Gesamtergebnis. Die Regeln betrachten mehrere Messungen und Messtage; Download und Upload werden berücksichtigt. Lass die App die Kampagne auswerten. Eine eigene Rechnung nach dem Muster „Mein schnellster Test war nur halb so schnell wie die Werbung“ beantwortet die rechtliche Nachweisfrage nicht.
Das Ergebnis sichern und dem Vertrag zuordnen
Wenn die Kampagne eine Minderleistung nachweist, stellt die App ein Messprotokoll bereit. Du kannst es speichern und für die weitere Klärung verwenden. Wird keine Minderleistung nachgewiesen, entsteht nach den offiziellen Verfahrenshinweisen kein entsprechendes Nachweisprotokoll. Das bedeutet zunächst, dass die Voraussetzungen dieses Verfahrens nicht belegt wurden.
Speichere ein vorhandenes Protokoll zusammen mit Vertragszusammenfassung, Tarifbezeichnung und bisherigem Schriftwechsel. Beschreibe bei einer Nachfrage möglichst konkret, was du festgestellt hast: Seit wann tritt das Problem auf, betrifft es Download oder Upload, und auf welche abgeschlossene Kampagne beziehst du dich? Eine vollständige Unterlagensammlung erleichtert die Bearbeitung.
Die App ändert deinen Vertrag oder deine Rechnung nicht selbst. Die weitere Klärung findet mit deinem Vertragspartner statt. Wenn die Bewertung oder die Folgen strittig bleiben, kannst du dich zu deinem Einzelfall beraten lassen. Ein allgemeiner Nachrichtenartikel kann nicht festlegen, welcher Minderungsbetrag in einer individuellen Vertragskonstellation angemessen ist.
Was du daraus für den nächsten Handytarif mitnehmen kannst
Nutze deine Erfahrungen für eine gezielte Auswahl. Schreibe auf, an welchen Orten du die Verbindung besonders häufig benötigst: zu Hause, am Arbeitsplatz, bei Angehörigen oder unterwegs. Ergänze die Anwendungen, die dort zuverlässig funktionieren sollen. Ein kurzer Videoanruf stellt andere Anforderungen als das gelegentliche Abrufen von Nachrichten.
Ordne deine Prioritäten anschließend: ausreichende Versorgung an wichtigen Orten, passende Datenmenge, benötigte Funktionen und gewünschte Vertragslaufzeit. Ein hoher Maximalwert ist nur ein Merkmal. Auch eine kurze Bindung kann wertvoll sein, wenn du deine Nutzung oder deinen Wohnort voraussichtlich bald veränderst. Entscheidend ist ein passender Vertrag für deinen Alltag.
Im Handytarifvergleich kannst du Netz, Datenvolumen, Laufzeit und weitere Leistungen gegenüberstellen. Wenn du flexibel bleiben möchtest, sieh dir zusätzlich die monatlich kündbaren Tarife an. Die Messkampagne hilft bei der Einordnung deines bestehenden Anschlusses; der Vergleich unterstützt dich bei der Auswahl des nächsten passenden Angebots.

